Alles was du über Laktoseintoleranz wissen solltest

Laktoseintoleranz ist mittlerweile keine seltene Erscheinung mehr. Viele wissen noch nicht einmal, dass sie laktoseintolerant sind. Aber was passiert eigentlich bei einer Milchzuckerunverträglichkeit? Und woher kommt sie?

Was ist Laktose?

Milchprodukte, wie Milch und Käse vor hölzernem Hintergrund

Laktose oder auch Milchzucker ist, wie der Name bereits suggeriert, ein in der Milch von Säugetieren enthaltener Zweifachzucker, welcher aus den Bestandteilen Glucose und Galactose besteht.

Der durchschnittliche Laktoseanteil liegt hier bei ca. 2-7 %. Laktose befindet sich daher auch in sämtlichen Milchprodukten, wie Sahne, Joghurt oder Käse.

Da Milchzucker jedoch auch als technischer Hilfsstoff verwendet wird, findet man ihn in weitaus mehr Lebensmitteln, zu denen beispielsweise Fertiggerichte, Wurst, Salatsaucen, Trockengebäck, Süßstoffe oder Müslimischungen gehören.

Laktose fungiert vor allem als Energielieferant, ist aber auch verantwortlich für die Unterstützung der Aufnahme von Kalzium sowie die Hemmung von Fäulnisbakterien im Darm.

Ungefähr dreiviertel der Weltbevölkerung verträgt keinen Milchzucker. Das kommt daher, dass der menschliche Körper ursprünglich nicht darauf eingestellt ist, die Milch anderer Säugetiere zu sich zu nehmen.

Dieser Lebenswandel kam erst mit der Einführung der Viehzucht. Evolutionsgeschichtlich konsumierte der Mensch also nur während seiner ersten Lebensmonate Milchzucker. Mit der Veränderung der Ernährung kam die genetische Veränderung, mit welcher auch Erwachsene in der Lage waren, Milch zu verdauen.

Fazit: Laktose oder auch Milchzucker ist ein in der Milch von Säugetieren enthaltener Zweifachzucker, welcher aus den Bestandteilen Glucose und Galactose besteht. Ungefähr dreiviertel der Weltbevölkerung verträgt keinen Milchzucker.

Was passiert bei einer Laktoseintoleranz?

kleiner Junge hat Glas Milch in der Hand und hält sich mit der anderen Hand den Bauch wegen LaktoseintoleranzNormalerweise bilden die Zellen der Dünndarmschleimhaut bei Aufnahme von Milchzucker ein Enzym namens Lactase. Dieses ist dafür zuständig, die Laktose in seine Einzelteile Glucose und Galactose zu spalten, damit sie schließlich von der Darmschleimhaut aufgenommen werden können.

Das Problem bei Menschen mit Laktoseintoleranz besteht in der Bildung von Laktase, welche kaum bis gar nicht stattfindet. Das führt unmittelbar dazu, dass Laktose nicht im Dünndarm aufgenommen (resorbiert) werden kann.

Somit wandert es weiter in den Dickdarm, dessen Schleimhaut mit unzähligen Mikroorganismen, insbesondere Bakterien, besiedelt ist. Einige dieser Bakterien verwenden Bestandteile der Laktose als Nahrung und scheiden dafür andere wieder aus.

Dieser Vorgang ist letztlich verantwortlich für die typischen Symptome der Laktoseintoleranz. So führen die Gärprozesse, welche Gase wie Methan, Wasserstoff und Kohlendioxid herbeiführen, zu einem Aufblähen des Bauches und krampfartigen Flatulenzen.

Weiterhin bindet Laktose Wasser, sodass immer mehr Wasser aus dem Gewebe in den Dickdarm fließt. So füllt sich der Darm schnell und der Stuhl wird flüssig.  Hinzu kommt, dass bei einer bakteriellen Zersetzung  von Laktase auch organische Säuren, z.B. Milch- und Essigsäure, entstehen, welche die Darmperistaltik (Darmbewegungen) beschleunigt.

Blähungen, flüssiger Stuhl und eine beschleunigte Darmperistaltik sind der Grund, weshalb sich schließlich der Druck auf den Darm erhöht. Die Folgen sind Krämpfe und Durchfallattacken. In Deutschland sind ungefähr 20% der Bevölkerung davon betroffen.

Fazit: Das Problem bei Menschen mit Laktoseintoleranz besteht in der Bildung von Laktase, welche kaum bis gar nicht stattfindet. Dadurch kann die Laktose nicht gespalten und verdaut werden.

Welche Symptome treten bei Laktoseintoleranz auf?

Glasflasche mit Milch und Rolle Toilettenpapier auf orangem Hintergrund

Die Symptome treten meistens ca. 15-30 Minuten nach Zufuhr von Milchzucker auf.

Typische Anzeichen sind:

Weiterhin klagen Betroffene auch oft über:

Die drei Formen der Laktoseintoleranz

Zwar sind die Symptome immer gleich – trotzdem gibt es aber verschiedene Formen. Einige waren schon immer laktoseintolerant, andere werden es erst im Laufe der Jahre.

Glas Milch mit einer starken Kette darum gewickeltAngeborene (Primäre) Laktoseintoleranz

Diese erblich bedingte Form ist die häufigste der Laktoseintoleranz. Die Auswirkungen werden jedoch meist erst im Erwachsenenalter sichtbar.

Während in der Kindheit noch genügend Laktase produziert wird, so nimmt dieser Vorgang mit wachsendem Alter stetig ab. Die Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker wird daher immer größer.

Erworbene (Sekundäre) Laktoseinterolanz

Im Gegensatz zu den beiden anderen Formen ist die Sekundäre Laktoseintoleranz nicht angeboren, sondern wird im Laufe des Lebens erworben, z.B. durch  Krankheiten wie Zöliakie, Morbus Crohn, bakteriellen Infektionen oder Pilzinfektionen, Darmgrippe, Magen-Darm-Operationen sowie nach Gaben von Antibiotika oder Zytostatika.

Indem Zellen zerstört werden, wie z.B. bei einer Darmschleimhautentzündung, kann es zum Verlust des Bürstensaumes kommen. Da dort viele Dünndarmenzyme ihren Platz haben, wird dadurch einerseits die Wirkung der Verdauungsenzyme geschwächt, andererseits die Oberfläche verringert.

Folglich besteht eine erschwerte Verwertung von  Nährstoffen, wie etwa Laktose. Ist die Grundkrankheit besiegt besteht prinzipiell die Möglichkeit einer Rückbildung der Milchzucker-Unverträglichkeit.

Kongenitaler Laktosemangel

Nicht zu verwechseln mit der Primären Laktoseintoleranz ist der kongenitale Laktosemangel, welcher ebenfalls angeboren ist. Diese Form der Milchzuckerunverträglichkeit kommt glücklicherweise nur sehr selten vor.

Der kongenitale Laktasemangel auch  bekannt unter dem Namen Alaktasie, wird durch einen Gendefekt verursacht, wodurch bereits im Säuglingsalter keine funktionsfähige Laktase im Darm vorliegt (absoluter Laktasemangel).

Dadurch treten bei diesen Babys mit Laktoseintoleranz bereits in den ersten Lebenswochen Beschwerden, wie Durchfall, Austrocknung und Unterernährung auf. Ohne eine strikte laktosefreie Diät können schwere Hirnschäden auftreten.

Fazit: Es gibt drei Formen der Laktoseintoleranz: Die Angeborene (Primäre) und Erworbene (Sekundäre) Laktoseintoleranz als auch den kongenitalen Laktasemangel. Dabei kommt die angeborene Laktoseintoleranz am häufigsten vor.

Diagnose und Test von Laktoseintoleranz – Bin ich laktoseintolerant?

junges Mädchen mit hellblauem Kleid und schwarzen langen Haare liegt auf dunkelgrünen Blättern

Kommen dir einige dieser Symptome bekannt vor? Dann gilt es jetzt herauszufinden, ob du tatsächlich an einer Laktoseintoleranz leidest. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Selbsttest und Diättest

Diese Tests können selbstständig zu Hause durchgeführt werden. Bei beiden erfolgt eine laktosefreie Ernährung für einen bestimmten Zeitraum. Währenddessen wird beobachtet, ob die typischen Symptome auftreten.

Im Falle eines negativen Befunds besteht die Möglichkeit einer Laktoseintoleranz. Um ganz sicher zu gehen wird beim Selbsttest im Anschluss an den Verzicht auf Laktose noch ein Glas Wasser zu sich genommen, in dem 100g Milchzucker gelöst sind.

Treten hierbei in Folge dessen nach 15-30 Minuten die beschriebenen Symptome auf, kann man mit hoher Sicherheit von einer Unverträglichkeit gegenüber Laktose ausgehen.

Wasserstoffatemtest

Der H2-Laktose-Atemtest benötigt im Gegensatz zum Selbst- und Diättest nicht viel Zeit. Zunächst wird der Gehalt des Wasserstoffs im Atem gemessen. Anschließend trinkt der Patient ein Glas Wasser, in dem Milchzucker gelöst ist.

Bei einer Laktose-Intoleranz kommt es zu Gärprozessen der Laktose, sodass sich Wasserstoff im Darm bildet, welcher zum Teil ins Blut geleitet und schließlich ausgeatmet wird. Nach einer Weile wird der Wasserstoffanteil im Atem erneut gemessen. Beträgt der Unterschied hier 20 ppm so liegt eine Laktoseintoleranz vor.

Laktosetoleranztest

Bei diesem Laktosetest nimmt der Patient unter ärztlicher Anleitung eine Milchzuckerlösung zu sich. Anschließend wird ein wenig Blut abgenommen, um den Blutzuckerspiegel  zu messen.

Normalerweise wird der Milchzucker durch das Enzym Laktase zu Glucose und Galactose gespalten – daher steigt der Blutzuckerspiegel an. Bei Menschen mit Laktoseintoleranz findet der Prozess der Spaltung jedoch nicht statt, sodass auch kein erhöhter Blutzuckerspiegel festgestellt werden kann.

Gentest

Bei einem Gentest kann mit Hilfe einer Speichelprobe ermittelt werden, ob der Patient eine bestimmte Ausprägung des Laktase-Gens besitzt, was zu einer Primären Laktoseintoleranz führen kann.

Diese Art von Test wird jedoch eher selten verwendet, da er nicht nur teuer ist, sondern auch gar nicht als Beweis gewertet werden kann.

Zudem können ihm keine Beschwerden zugeordnet werden und Menschen mit Sekundärer Laktoseintoleranz sind gänzlich vom Test ausgeschlossen. Letztlich trifft der Test auch keine Aussagen über eine zu haltende Diät.

Dünndarmbiopsie

Die Dünndarmbiopsie ist ein invasiver chirurgischer Eingriff und wird daher recht selten verwendet. Hierbei soll herausgefunden werden, ob die Laktoseintoleranz durch andere Erkrankungen, wie beispielweise Zöliakie, ausgelöst wird.

Um das festzustellen, wird ein Endoskop nach lokaler Betäubung in den Rachen bis zum Dünndarm eingeführt um zu sehen, wie viele Mengen Laktase sich dort befinden. Wenn der Befund nur geringe Mengen ergibt, so ist die Wahrscheinlichkeit einer Milchzucker-Unverträglichkeit hoch.

Stool acidity test (Stuhl-Säure-Test)

Dieser Test wird bei Säuglingen und Kindern angewendet, für die andere Tests nicht in Frage kommen. Die Fermentation (Gärung) von unverdauter Lactose erzeugt Milchsäure und andere Säuren, die schließlich in einer Stuhlprobe nachgewiesen werden können.

Wie behandelst du eine Laktoseintoleranz?

Einkaufstüte mit jeder Menge laktosefreier Lebensmittel, wie Obst, Gemüse, Wasser und BrotMilchunverträglichkeit ist keine Krankheit und es besteht daher auch keine Möglichkeit der Heilung. Natürlich kann man dem Ganzen allerdings entgehen, indem kaum noch oder keine laktosehaltigen Produkte konsumiert werden.

Die Umstellung auf eine milchzuckerfreie Ernährung ist anfänglich oft schwierig, doch es gibt mittlerweile zahlreiche Ersatzprodukte, wie etwa laktosefreier Frischkäse. Die Grenze bei der Verträglichkeit von Laktose ist bei jedem Menschen unterschiedlich.

Daher können Einige Lebensmittel mit wenig Milchzucker vertragen, andere wiederum nicht. Doch auch wer sich gern mal eine Ausnahme genehmigen möchte, kann das tun.

Laktasetabletten, die kurz vor dem Essen eingenommen werden, sind die Lösung. Mithilfe dieser Tabletten wird auch die Einnahme von milchzuckerhaltigen Produkten möglich.

Laktosefreie Lebensmittel – Was darfst du essen?

Wenn du nun festgestellt hast, dass du laktoseintolerant bist, geht es weiter zum nächsten Schritt: der Ernährungsumstellung. Wichtig ist, dass du herausfindest, wie viele Mengen an Laktose du verträgst.

An dieser Tabelle kannst du dich dabei orientieren:

Aber Achtung! Laktose hält sich auch in vielen anderen Lebensmitteln versteckt, wo du es nicht unbedingt erwartest.

Unerwartete Lebensmittel mit Laktose

Außerdem ist Laktose auch in einigen Medikamenten enthalten. Lies daher immer zunächst die Verpackungsbeilage!

Worauf musst du beim Einkaufen achten?

Glas mit laktosefreier Mandelmilch, daneben MandelnBei all den vielen Lebensmitteln mit Laktose, wie sollst du dir da sicher sein, was tatsächlich Laktose enthält und was nicht? Ganz einfach – ein Blick auf die Inhaltsstoffe reicht.

Zu unserem Glück MUSS die Verwendung von Laktose, Milch und Milchprodukten nämlich im Zutatenverzeichnis erscheinen. Dafür gibt es sogar ein Gesetz, woran sich jeder Lebensmittelhersteller halten muss.

Wenn du also das nächste Mal einkaufen gehst – achte auf folgende Kennzeichnungen im Zutatenverzeichnis:

  • Milchpulver (Vollmilch- und Magermilchpulver)
  • Molke, Molkenpulver (Süß- und Sauermolkenpulver)
  • Molkenerzeugnis
  • saure / süße Sahne
  • entrahmte Milch
  • Rahm/Sahne, Sahnepulver
  • Joghurt (-blättchen)
  • Magermilchjoghurt
  • Butter

Sollte auf der Verpackung „…kann Spuren von Laktose/Milch“ stehen, brauchst du dir in der Regel keine Sorge machen. Diese Produkte sind äußerst laktosearm und werden normalerweise gut vertragen.

Wie gehst du mit deiner Laktoseintoleranz am besten um?

Solltest du gerade erst von deiner Laktoseunverträglichkeit erfahren haben, musst du dich auf eine Ernährungsumstellung gefasst machen. Vielen bereitet eine solche tiefgreifende Veränderung Angst.

Doch im Grunde genommen kannst du diese Umstellung mit ein paar einfachen Tricks ganz leicht meistern. Immerhin gibt es heutzutage bereits zahlreiche laktosefreie Milchprodukte. Wenn du mehr zu diesem Thema wissen möchtest, dann ist dieser Artikel sicher interessant für dich: 10 Tipps wie du am besten mit deiner Laktoseunverträglichkeit klarkommst

 

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